Modelleisenbahn (1:87)

Bereits als 7-8 Jähriger hatte ich ein lebhaftes Interesse an der elektrischen Eisenbahn. Und da es im Jahr 1948 damit ziemlich düster aussah, schnitt ich mir aus Pappe Schienen und die Umrisse einer Dampflok, die "Schienen" erhielten mit dem Bleistift ihre Struktur aus Schwellen und Schienen und die Lok fuhr dann darauf hin und her. Zu Weihnachten 1950 (1951?) fand ich dann zu meiner großen Freude unter dem Weihnachtsbaum ein Piko-Set; schwarze Plastikschienen mit Messingprofilen, eine Lok, 2 Wagen und einen Trafo. Leider war es kein Produkt des Hauses Märklin, das ich in dem Fenster des Spielwarenhauses so bewundert hatte. Aber es fuhr und erfüllte seinen Zweck.

Nach dem Lehrabschluß fing ich an, mir Stück für Stück meinen Kindheitstraum zu erfüllen, die Märklin-V200 (3021) kam als erstes ins Haus. Nach der Geburt unser ersten Kindes wurde es Ernst, erst Teppichbahner im Wohnzimmer, dann eine 1,5 x 2,5 Meter große Platte im Keller, die mit Landschaft und Schienen gestaltet wurde. Weitere Loks aus dem Hause kamen hinzu, die V60 mit Telexkupplung (3065) für den Rangierbetrieb, die E41 (3034), der Schienenbus mit Anhänger (3016 + 4018), viele Güter- und Personenwagen und schließlich die E03 (3053) mit einem kompletten Rheinpfeilwagensatz in gelb-rot. Und dann die BR44, der "Lange Heinrich" (3047) mit Raucheinsatz. Jedes Jahr kam dann dasselbe Spiel zu Weihnachten: wenn das Christkind kommen sollte, wurde Vater und Kinder in den Keller geschickt - Eisenbahn spielen zur Ablenkung. Und daraus wurde regelmäßig nichts; irgendwo war ein Kurzschluß in der Anlage und aus dem Ablenken wurde eine intensive Fehlersuche an den Metallschienen. Meistens klingelte das Christkind und es ging eher zurück zum Weihnachtsbaum als das die Züge ihre erste Runde hinter sich hatten.

Mein großer Traum war das Krokodil - vom Lehrlingsgehalt 1958 nicht zu bezahlen und nachher war da die Befürchtung, daß es eventuell durch die Kinder beschädigt würde - der Lange Heinrich war mindestens ebenso gefährdet. Und deshalb durfte die Anlage im Keller nur von Papa gefahren werden, was den Kindern erwiesenermaßen keinen besonderen Spaß bereitete. Und so erlosch das Interesse Stück für Stück und schließlich wurde die Platte abgebaut und entsorgt, die Einzelteile kamen in Kartons und ins Regal.

Um das Jahr 2002 herum waren meine Frau und ich in der Schweiz, um mit dem Glacierexpress von St. Moritz nach Zermatt zu fahren. Dort begegnete ich meinem "Kindheitstraum" im Original: groß, braun und wuchtig stand sie auf dem Nebengleis in Brigg, das Krokodil. Und dann sollte es sein, aber der Preis des Krokodils in einem Zürcher Modellbahngeschäft ließ mich nur den Kopf schütteln, fast 800 SFr wollte man haben - nein, für den Preis bestimmt nicht, ich wollte schließlich eine Lok, aber nicht das Geschäft dazu kaufen. Daheim bei einem Frankfurter Modellbahngeschäft gab's das gute Stück für etwas über 300 Euro. Immer noch teuer aber diesmal wurde es eingepackt und mitgenommen.

Als unser Enkel erstmals bei uns auftauchte, fiel mir ein: du hast da ja noch was im Keller! Und das Dilemma begann; die alten Loks waren alle analog gesteuert, das Krokodil jedoch digital; die neuen C-Schienen lockten wegen der leichten und kontaktsicheren Aufbauweise gegenüber den vorhandenen M-Schienen. Also wurde eine Startpackung mit dem ICE2 gekauft, da konnte das Krokodil mithalten und das "Tuuut" des ICE war ein ständiger Begleiter, wenn unser Enkel an der Mobile Station stand. Und die alten Modelle? Sie wurden eines nach dem anderen durch den Einbau eines Decoders digitalisiert und durch weitere digitale "Schätzchen" ergänzt. Die Grundsätzlichkeiten von analogem und digitalem Betrieb findet Ihr hier

Inzwischen habe ich mich von meinen alten Modellen getrennt und meine Sammlung mit wenigen "Neubauten" ergänzt. Es sind inzwischen ein Duzend Loks geworden, die über eine MS2 auf dem Teppich gefahren werden können - wenn's mal wieder in den Fingern zwickt. Auf jeden Fall kommen die Loks 1 bis 2 mal jährlich auf den Lok-Rollenprüfstand, damit sie sich bewegen können und das Motorlagerfett nicht verharzt.

Und da man ein Hobby am besten mit anderen teilt, habe ich mich einmal nach einem Modellbahnertreff im Raum Frankfurt umgesehen: die reine Wüste, nix los. Dann blieb nur eines übrig: man ruft selbst einen ins Leben. Gesagt - getan! Seit März 2010 kann ich sagen "Die Wüste lebt!". Mit einigen Modellbahnerkollegen habe ich den FRAMST gegründet. Jetzt tagen wir alle 2 Monate und lassen dabei unserem Hobby freien Lauf.


Weitere Informationen zu den großen 1:1-Vorbildern finden sich hier bei den DB-Loks.
Und falls es interessiert, so sieht derzeit mein Lokschuppen aus:
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