Tempel und Gräber im pharaonischen Ägypten.

Der Götterglaube der Ägypter findet sich hauptsächlich in den Tempeln und Gräbern dokumentiert. Die Entschlüsselung der Hieroglyphen ermöglichte nach und nach das Verstehen des Totenkultes. Die naturwissenschaftlich geschulten Priester hatten Regelmäßigkeiten der Himmelmechanik (Auf- und Untergang der Gestirne) erkannt, ebenso wie zwischen dem Aufgehen der Sterne am Himmel und der jährlichen Nilflut Abhängigkeiten erkennbar waren. Diese Erkenntnisse nutzten sie zur Entwicklung einer Glaubenswelt für das Volk, schließlich ging es auch hier schon um Macht und Einfluß. Was waren also die Pfeiler dieses Glaubens?

Die Sonne ging abends im Westen unter und erschien am Morgen wieder am östlichen Himmel, über Nacht reiste die Sonne in der Himmelbarke durch das Totenreich - diese befanden sich ja unter der Erde - von Westen nach Osten, um dort am nächsten Morgen wieder zu erscheinen. Und damit sie dies konnte, verschlang beim Sonnenuntergang im Westen die Himmelsgöttin Nut die Sonne, um sie am nächsten Morgen im Osten wieder zu gebären. Und es war der sehnlichste Wunsch aller Verstorbenen, diese Reise auf der Himmelbarke mitmachen zu können und damit am nächsten Morgen wieder aufzuerstehen zu einem neuen Leben in himmlischen Gefilden und hierbei dem Herrscher der Unterwelt, dem Gott Osiris, gleichgestellt zu werden. Hierzu mußten sie Voraussetzungen erfüllen. Das hierbei zu vollziehende Totenritual ist uns aus den sogenannten Pyramidentexten und den später verfaßten Totenbüchern bekannt.

Beim Ableben des Herrschers wurde der Verstorbene den Anubispriestern zur Mumifizierung übergeben. Nach genau 70 Tagen erhielten die Abgehörigen die Mumie zurück. Im Totentempel wurde vom ältesten Sohn, der am Tage nach dem Ableben des Herrschers zum neuen Herrscher ernannt worden war, die sogenannte Mundöffnung vollzogen. Damit sollte der Verstorbene in den Stand gesetzt werden, sich vor dem Totengericht zu verteidigen, welches über seinen Eintritt in das Reich des Osiris entschied. War er mit seiner Verteidigung seines Tuns auf Erden erfolgreich, war er ein "Gerechtfertigter", welcher auf der Himmelsbarke mitreisen durfte. Und mit Hilfe der Pyramidentexte bzw der Totenbücher setzte man alles daran, dieses Ziel zu erreichen. Enthielten diese "Dokumente" doch alle Fragen und die zu gebenden Antworten vor dem Göttergericht.

Nach der Mundöffnungszeremonie wurde die Mumie zur Grablegung "im Westen" auf einer Totenbarke zum Grab gebracht und beigesetzt. Der älteste Sohn, in späteren Zeiten auch Priester der Tempel gegen sehr gute Bezahlung - meistens durch Übereignung von Landgebieten an den Tempel - waren verpflichtet, in einer Seitenkammer des Grabes immer für eine ausreichende Beköstigung des Verstorbenen zu sorgen - schließlich hatte er ja die Mundöffnung erhalten und sein "Ka", seine Seele, konnte den Körper und über eine Scheintür im Grab auch dieses verlassen, um sich im Diesseits zu laben.

Die Gräberfelder der Könige, Edlen und hohen Beamten des "Neuen Reiches" (18. bis 20. Dynastie) finden sich hauptsächlich im "Tal der Könige" bzw im "Tal der Königinnen" auf dem westlichen Nilufer gegenüber der Stadt Luxor. Für die beiden Grabfelder haben sich die Abkürzungen "KV" für King's Valley bzw. "QV" für Queen's Valley etabliert. Die Gräber im Kings Valley werden üblicherweise mit KVnn bezeichnet, wobei nn eine fortlaufende Zahl, beginnend bei 1, ist. In einem westlich gelegenen Seitental finden sich weitere Gräber, sie werden mit WVnn (West Valley) bezeichnet. Beide oben gezeigte Karten sind der homepage des Theban Mapping Projects entnommen, welche eine Fülle von sehr detaillierten Informationen zu den Gräbern im Tal der Könige enthält. In der nachfolgenden Tabelle sind die Grabbezeichnungen, die darin bestatteten Herrscher sowie Datum und Name des Ausgräbers genannt.

KV 1 Ramses VII. (20. Dynastie)1983-1984 - E.C.Brock
KV 2 Ramses IV. (20. Dynastie)1905-1906 - Ayrton
KV 3 Sohn Ramses III. (20. Dynastie)Feb. 1912 - Burton
KV 4 Ramses XI. (20. Dynastie)1978-1980 - J. Romer
KV 5 Söhne Ramses II. (19. Dynastie)1799/1987 - K.R.Weeks
KV 6 Ramses IX. (20. Dynastie)1817 - H. Salt
KV 7 Ramses II. (19. Dynastie)Dez. 1913 - Feb. 1914 - Burton
KV 8 Merenptah (19. Dynastie)1903-1904 - Carter
KV 9 Ramses V. / VI. (20. Dynastie)1820-1830 - Burton
KV 10 Ahmose I. (18. Dynastie)Dez. 1907 - Ayrton
KV 11 Sethnacht / Ramses III. (20. Dynastie)1905 - 1906 - Ayrton?
KV 12 unbekannt (N.R.)vor 1739
KV 13 Kanzler Bay (19. Dynastie)1988-1994 - Altenmüller
KV 14 Tawosret / Sethnacht (20. Dynastie)1983-1987 - Altenmüller
KV 15 Sethos II. (19. Dynastie)1902-1904 - Carter
KV 16 Ramses I. (19. Dynastie)Okt 1817 - Belzoni
KV 17 Sethos I. (19. Dynastie)Okt 1817 - Belzoni
KV 18 Ramses X. (20. Dynastie)nicht publiz.
KV 19 Montu-her-chepshef (19. Dynastie)Feb. 1906 - Ayrton
KV 20 Königin Hatschepsut (18. Dynastie)1903 - 1904 - Carter
KV 21 2 Königinnen ? (18. Dynastie?)Okt 1817 - Belzoni
WV 22 Amunhotep III. (18. Dynastie)1915 - H. Carter
WV 23 Eje (Aya)(18. Dynastie)1816 - Belzoni
WV 24 ?? (18. Dynastie)1991/92 - O. Schaden
WV 25 Echnaton (?) (18. Dynastie)1817 - Belzoni
KV 26 unbekannt (N.R.)vor 1825 - Burton
KV 27 unbekannt (N.R.)vor 1832/1990 - D.P.Ryan
KV 30 unbekannt (N.R.)1817 - Belzoni
KV 34 Tuthmosis III. (18. Dynastie)1899 - Loret
KV 35 Amunhotep II. (18. Dynastie)1898 - Loret
KV 36 Maherpra (21. Dynastie)1899 - Loret
KV 38 Tuthmosis I. (18. Dynastie)1899 - Loret
KV 39 Amunhotep I. (18. Dynastie)1899 - J. Rose
KV 42 Tuthmosis II. (18. Dynastie)1900 - Carter
KV 43 Tuthmosis IV. (18. Dynastie)Jan 1903 - Carter
KV 45 Userhet (??. Dynastie)Feb. 1902 - Carter
KV 46 Yuja & Tuja (19. Dynastie)Feb 1905 - Quibell
KV 47 Siptah (19. Dynastie)Nov. 1905 - Ayrton
KV 48 Amenemopet (21. Dynastie)1905-1906 - Ayrton
KV 54 Balsamierungsdepot Tut-anch-amunDez 1907 - Ayrton
KV 55 Semench-ka-re (18. Dynastie)Jan 1907 - Ayrton
KV 56 "Goldgrab" (18. Dynastie)Jan 1908 - Ayrton
KV 57 Haremhab (18. Dynastie)Feb. 1908 - Ayrton
KV 62 Tutanchamun (18. Dynastie)Nov 1922 - Carter



Abu Simbel Abu Simbel, Tempelanlage Ramses II,
links Ramsestempel, rechts Hathortempel der Nefertari
Abu Simbel, Ramsestempel Abu Simbel, Eingang des Ramsestempel
mit den 4 Kollossalstatuen Ramses II
Chefren Chefren-Pyramide mit der Sphinx bei Gizeh




Literaturverzeichnis:
R. Stadelmann, Die Ägyptischen Pyramiden, Zabern, Mainz
N. Reeves, R.H. Wilkinson, Das Tal der Könige, Econ, Düsseldorf


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