Pharaonen, die Könige des alten Ägyptens.









Der Pharao - die Könige des alten Ägyptens

Die Kronen der ägyptischen Könige

Zuordnung der Regierungsjahre

Königsliste der bekanntesten Herrscher


Der Pharao - die Könige des alten Ägyptens

Den Titel "Pharao" für den ägyptischen Herrscher hat dieser zu Lebzeiten nie gehört, ihm waren Bezeichnungen nisw.t bitj (der von Binse und Biene Stammende), nb ta.wi (Herr der beiden Länder) oder einfach sdm-f (Seine Majestät) geläufig, nicht jedoch Pharao. Denn sie ist eine Wortschöpfung eines Betrachters einer Inschrift am Mandulis-Tempel von Kalabscha.

Der Tempel war dem nubischen Fruchtbarkeitsgott Mandulis geweiht und stand ursprünglich in dem gefluteten Bereich des Nasser-Stausees. Er wurde von deutschen Technikern Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts ab- und an einem höher gelegenen Ort ("Neu-Kalabscha") wieder aufgebaut. Er stammt aus der Spätzeit des ägyptischen Reiches, die Herrscher wechselten recht häufig, denn der Gebrauch von Dolch und unbekömmlichen Speisezusätzen - landläufig sagt man dazu Gift - führten zu der genannten Situation. Und der Oberpriester des Tempels mußte wohl relativ häufig die Namen der Herrscher in der Kartusche über dem Tempelportal austauschen lassen und verfiel auf den Gedanken, man könne das Problem anders lösen. Er ließ in die Namenskartusche die Bezeichnung "pr aA" einmeißeln, was im Ägyptischen "Großes Haus" bedeutet. Das ist nun keinesfalls eine Königs-Titulatur, sondern die Bezeichnung für den Königspalast und wohl so zu deuten, daß der jeweils in besagten Palast Sitzende derjenige ist, dem dieser Tempel zugeordnet ist.

Diese Inschrift wurde von einem griechischen Forscher mit "Pharao" interpretiert; na gut, wenn man den König Mn-kaw-Re (4. Dynastie) mit Mykerinos graezisiert, dann wird aus pr-aA eben Pharao. Und so hat sich diese Bezeichnung inzwischen zu einer auch in der wissenschaftlichen Literatur akzeptierten Bezeichnung gemausert. Das Reich dieser Könige umfaßte die Gaue Ober- und Unterägypten sowie das Königreich Kusch (heutiger Nordsudan).

Neben seiner Funktion als Herrscher über das Land nahm der König die theokratische Funktion eines Oberpriesters des Hauptgottes wahr; nach dem Ableben des Königs ging dieser in das Reich dieses Gottes ein. Diese Einstellung wandelte sich mit der Zeit, Ramses II ließ sich bereits zu Lebzeiten in den von ihm errichteten Tempeln als Gleicher unter den Reichsgöttern darstellen, in der Kultbildkammer des Großen Tempel von Abu Simbel sitzt Ramses zwischen der sogenannten "Reichstriade", bestehend aus den Göttern Ptah (Herrscher von Memphis), Amun-Re (Herrscher von Karnak) und Re-Harachte (Herrscher von Heliopolis).
    


Die Kronen der ägyptischen Könige

Es sind insgesamt sieben Ausführungen der Krone des ägyptischen Herrschers bekannt, sie alle wurden zu verschiedenen Anlässen benutzt, teils zu Zwecken der Repräsentation, aber natürlich auch zu auch zu zeremoniellen Zewcken. Schließlich war der König gleichzeitig Hohepriester der Götter. Die Krone stellte zusammen mit Krummstab (heqa) in der linken und der Geißel (nechacha) in der rechten Hand die Königsinsignien der Herrscher dar.

Die sicherlich bekannteste Krone ist seit dem Auffinden des Sarkophags Tut-anch-amuns das blau-gelb gestreifte Nemes-Kopftuch, welches von sehr vielen Herrschern des Mittleren Reiches getragen wurde. Es hatte zwei auf die Schultern herabhängende Teile und wurde hinten zusammengebunden. Auf der Stirnseite war die zum Stoß aufgerichtete Ureus-Schlange sowie der Geier angebracht.

Die weiße Krone (hedjet) war das Symbol Oberägyptens und wurde ursprünglich von dem Herrscher dieses Landesteils getragen. Auch sie hatte - wie alle Kronen - an der Stirnseite die zum Stoß aufgerichtete Kobra (Ureus-Schlange) und den Geierkopf.

Die rote Krone (descheret) war das Machtsymbol des Herrschers von Unterägypten. Diese Krone wird auch Neith-Krone genannt, da die Göttin Neith mit ihr dargestellt wird. Zudem ist die gleichartige Hieroglyphe ein Synonym für den Buchstaben "N".

Die rot-weiße Krone "beider Länder" (pschent) war das Machtsymbol der Herrscher nach der Zwangsvereinigung beider Länder und somit der offizielle Kopfschmuck der Pharaonen.

Die weiße Atef-Krone mit blauen Federn an beiden Seiten wurde bei rituellen Anlässen getragen, sie stellte einen Bezug zur Gottheit Osiris dar.

Die blaue Krone (chepresch) wurde auch als "Kriegshaube" bezeichnet und vom Pharao der 18. Dynastie auf Kriegszügen getragen und mit dem Sonnengott assoziiert. An den Seiten war die blaue Haube mit goldenen Scheiben verziert.

Das Chat-Kopftuch ist die einfache Version des Nemes-Tuches und war wahrscheinlich der "Standard"-Kopfschmuck des ägyptischen Herrschers im kleinen Kreis und ohne offizielle Verpflichtungen.

    


Zuordnung der Regierungsjahre

Der ägyptischen Zeitrechnung lag ein Kalender zugrunde, welcher aus 3 Jahreszeiten mit je vier 30-tägigen Monaten plus 5 Zusatztagen bestand. "Neujahr" war jeweils an dem Tage, wo der Fixstern Sirius wieder am Himmel erschien, nach heutigem Kalender im Monat Juli. Zu diesem Zeitpunkt trat der Nil über die Ufer, was sich auch in den Bezeichnungen der Monate niederschlägt:

Kalendermonate Monatsbezeichnung
Juli - Oktober 1.-4. Monat der Überschwemmung (achet)
November - Februar 1.-4. Monat des Sprießens (perjet)
März - Juni 1.-4. Monat der Hitze (schemu)

Da der ägyptische Kalender kein Schaltjahr kannte, trat hier Jahr für Jahr eine Verschiebung um 6 Stunden ein, die sich kumulierten und zu einem kalendarischen "Schiefstand" führten, der sich alle 1460 Jahre (4 x 365) von selbst wieder ausglich.

Da ein Teil der Daten aus der Spätzeit stammt, ist es für das Verständnis hilfreich, die parallel zu den ägyptischen Bezeichnungen der Monate verwendeten Angaben auch mit ihrem griechischen Namen zu nennen.

ägyptisch griechisch
1. Monat der Überschwemmung (achet) Thôth
2. Monat der Überschwemmung (achet) Phaôphi
3. Monat der Überschwemmung (achet) Athyr
4. Monat der Überschwemmung (achet) Choiak
1. Monat des Sprießens (perjet) Tybi
2. Monat des Sprießens (perjet) Mechir
3. Monat des Sprießens (perjet) Phamenôth
4. Monat des Sprießens (perjet) Pharmuthi
1. Monat der Hitze (schemu) Pachôn
2. Monat der Hitze (schemu) Paÿni
3. Monat der Hitze (schemu) Epiphi
4. Monat der Hitze (schemu) Mesorê

Die Zeitrechnung der Herrscher erfolgte unter Bezug auf das Regierungsjahr oder weitere Angaben, die Bezug zu seiner Regentschaft hatten. Dabei enstand das Problem, daß die Zuordnung der Regierungsjahre der einzelnen nicht identisch war mit dem Kalenderjahr. Es gibt keinen absoluten "Zeitnullpunkt", wie wir ihn mit der Festlegung "vor Christi" bzw "nach Christi" geschaffen haben, vielmehr gehen die Regierungsperioden ineinander über. Die Grafiken zeigen, daß zudem die Auslegung zwischen dem Mittleren Reich (links) und dem Neuen Reich (rechts) unterschiedlich gehandhabt wurde. In beiden Fällen begann bei der Thronbesteigung des neuen Herrschers das Jahr 1 des neuen Königs. Während im MR beim kalendarischen Jahreswechsel dann daraus das 2. Regierungsjahr des neuen Königs wurde - das 1. Regierungsjahr hatte weniger als 12 Monate - und damit Synchronisierung zwischen Regierungs- und Kalenderjahr erreicht wurde, erfolgte im Neuen Reich der Jahreswechsel nach Ablauf von 12 Monaten in das 2. Regierungsjahr. Eine zwangsweise Asynchronisierung zwischen Kalender- und Regierungsjahr des Herrschers war damit die Folge.

Dieses Fehlen eines kalendarischen Fixpunktes führt bei der Chronologie der ägyptischen Könige zu Problemen: Der Nachfolger - oder erst dessen Nachfolger - erklärt z.B. den Verstorbenen zur "persona non grata" und läßt alle Namenangaben in den Tempeln auslöschen oder überschreiben. So geschehen durch Thutmosis III., der alle Angaben seiner Stiefschwester Hatschepsut als Königin auslöschte oder Ramses II., der alle Einträge Echnatons wegen seiner Ketzerei gegen die Reichsgötter löschen und seine Tempel niederreißen ließ (um den Bauschutt dann als Füllsel in seine Pylone einzuarbeiten). Die Folge dieses Handelns war, daß alle nachfolgenden Herrscherperioden kalendarisch falsch waren und damit Korrekturbedarf von vorn herein vorprogrammiert war.
    


Königsliste der bekanntesten Herrscher

Die ägyptische Herrschergeschichte läßt sich einschließlich der prädynastischen Zeit bis etwa 3000 v. Chr. datieren. Die verschiedenen Perioden der ägyptischen Geschichte bis zum Untergang des ägyptischen Reiches kann man in 31 Herrscherdynastien aufteilen. Die Zuordnung der Dynastien zu den Perioden zeigt die nachfolgende Zusammenstellung
Frühzeit: 1.-2. Dynastie (ca. 3000-2707 v.Chr.)
1. Dynastie ca. 3000-2850 v.Chr.
2. Dynastie ca. 2850-2707 v.Chr.
Altes Reich: 3.-8. Dynastie (ca. 2707-2170 v.Chr. )
3. Dynastie ca. 2707-2639 v.Chr.
4. Dynastie ca. 2639-2504 v.Chr.
5. Dynastie ca. 2504-2347 v.Chr.
6. Dynastie ca. 2347-2216 v.Chr.
7. Dynastie entfällt
8. Dynastie ca. 2216-2170 v.Chr.
1. Zwischenzeit: 9.-10. Dynastie (ca. 2170-2025 v.Chr.)
Mittleres Reich: 11.-12. Dynastie (ca. 2119-1793 v.Chr.)
11. Dynastie ca. 2119-1976 v.Chr.
12. Dynastie ca. 1976-1793 v.Chr.
2. Zwischenzeit: 13.-17. Dynastie (ca. 1793-1550 v.Chr.)
13. Dynastie ca. 1793-1645 v.Chr.
14. Dynastie ca. ?-1645 v.Chr.
15. Dynastie ca. 1645-1536 v.Chr.
16. Dynastie ca. 1645-1536 v.Chr.
17. Dynastie ca. 1645-1550 v.Chr.
Neues Reich: 18.-20. Dynastie (ca. 1550-1070 v.Chr.)
18. Dynastie ca. 1550-1292 v.Chr.
19. Dynastie ca. 1292-1185 v.Chr.
20. Dynastie ca. 1185-1070 v.Chr.
3. Zwischenzeit: 21.-25. Dynastie (ca. 1070-664 v.Chr.)
21. Dynastie ca. 1070-946 v.Chr.
22. Dynastie ca. 946-735 v.Chr.
23. Dynastie ca. 756-712 v.Chr.
24. Dynastie ca. 740-712 v.Chr.
25. Dynastie ca. 746-655 v.Chr.
Spätzeit: 26.-31. Dynastie (ca. 664-330 v.Chr.)
26. Dynastie ca. 664-525 v.Chr.
27. Dynastie ca. 525-401 v.Chr.
28. Dynastie ca. 401-399 v.Chr.
29. Dynastie ca. 399-380 v.Chr.
30. Dynastie ca. 380-342 v.Chr.
31. Dynastie ca. 342-332 v.Chr.

Eine namentliche Auflistung der Herrscher des alten Ägyptens liegt in mehreren Formen, jedoch immer unvollständig vor. Durch Abgleich der enthaltenen Daten kann man die Reihenfolge der Könige festlegen, ihre Regierungszeiten unterliegen immer noch gewissen Schwankungen. Es existieren u.a. folgende Aufstellungen:

Palermo-Stein
Das Bruchstück einer beidseitig beschrifteten Dioritplatte liegt im Museum von Palermo und stammt aus Tempel-Annalen
Turiner Königspapyrus
Ein Schreiber Ramses II fertigte auf der Rückseite einer Abgabenliste eine Zusammenstellung aller Könige der 1. - 17. Dynastie. Leider ist die Liste nur schwer beschädigt erhalten
Königsliste Sethos I im Tempel in Abydos
KöListe Sethos I. Hier ließ Sethos I seine Ahnenliste festhalten, die Abbildung zeigt einen Ausschnitt
Manetholiste
Manetho, ein Priester am Tempel in Heliopolis lebte im 3. Jh vor Chr. und erstellte aus Tempel-Annalen eine Liste der Könige, wobei er die Geburtsnamen der Könige in gracerisierter Form verwendete

Die Königsliste nennt die ägyptischen Herrscher, wobei Geburtsname und Thronname angegeben sind; ein Teil der Namen beschränkt sich auf den Horusnamen des Königs. Eine vollständigere Zusammenstellung findet sich bei v. Beckerath (deutsch) bzw. oder bei Peter A. Clayton (englisch)
Eine sehr hilfreiche und detaillierte Zusammenstellung aller Pharaonen findet sich im zitierten Werk von Th. Schneider.


Literatur:
J.v. Beckerath, Chronologie des pharaonischen Ägypten, Zabern (Mainz)
R. Hannig, Die Sprache der Pharaonen, Zabern (Mainz)
Shaw/Nicholson, Lexikon des Alten Ägyptens, Phil. Reclam (Stuttgart)
P.A.Clayton, Chronicle of the Pharaohs, Thames & Hudson (London)
Th. Schneider, Lexikon der Pharaonen, dtv (München)
Foto:     Bibliografisches Institut, Mannheim

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