Götter im pharaonischen Ägypten.





Die ägyptischen Götter und den damit verbundenen Götterglauben der Ägypter haben wir aus den Tempeln und Pyramiden vorgefundenen Texten kennengelernt. Die Ägypter hatten eine polytheistische Götterwelt, d.h., sie hatten viele, z.T. hierarchisch geordnete Götterebenen und manchmal war es eben einfach besser, wenn man 2 Götter um Hilfe bitten konnte nach dem Motto "Doppelt genäht hält besser". Die heilige Zahl "drei" war in dieser Hinsicht besonders wichtig; die sogenannten "Götter-Triaden" wurden in fast allen Orten verehrt, diese Triaden bestanden aus dem Duo Gottvater, Gottmutter und dem Gotteskind. Diese Götter hatten Orte, in deren Tempeln diese Gottheiten besonders verehrt wurden; der Vergleich zwischen Rom und der katholischen Kirche bietet sich aus heutiger Sicht an.


Die Götter der Ägypter

Die Hauptorte der Götterverehrung

Die Reise der Sonne






Die Götter der Ägypter

Die Abbildung der ägyptischen Götter hat sich über viele Dynastien zu einer festen Darstellung entwickelt. Das Bild einer Gottheit ist daher ein erster Hinweis, um welchen Gott es sich handelt. In der nachfolgenden Zusammenstellung, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, sind neben der Abstammung auch seine Zuständigkeit sowie seine Darstellung beschrieben. Sofern bekannt, ist der Hauptort der Gottesverehrung in Klammern angegeben

Gottheit Beschreibung und ihre Darstellung (Verehrungsort)
Amun-Re seit der 5. Dynastie menschengestaltiger Gott mit Doppelfederkrone, oft mit einer Sonnenscheibe. Zusammen mit Mut + Chons bildete er die Triade von Theben.
(Theben)
Anubis (ägypt. Inpw) soll der Sohn von Nephthys und Osiris sein, Hauptgott der Toten, Leiter der Balsamierer, er leitet die Mumie zu Osiris und überwacht die Wägung des Herzens. Dargestellt mit einem Schakalkopf. Ein Gegenpart von Anubis ist der Gott Upuaut, der "Öffner der Wege", welcher ebenfalls mit einem Schakalkopf ausgestattet ist.
(Deir-el-Bahri)
Apophis (ägypt. Aapep) schlangenförmige Gottheit der Unterwelt, symbolisiert die Mächte des Bösen und des Chaos. Ist der Widersacher des Ra.
Atum entstanden aus dem Urwasser "Nun", der "Beschließer" des Tages, er repräsentiert die Sonne beim Untergehen, menschengestaltiger Gott mit der Doppelkrone von O- und U-Ägypten, in der rechten Hand hält er das anch-Zeichen, in der linken den was-Zepter
(Heliopolis)
Bastet repräsentiert die Wärme der Sonne als Produzent der Vegetation. Dargestellt als Frau mit Katzenkopf, in der rechten Hand ein Systrum, in der linken einen Korb.
(Bubastis - Pa-bast)
Bes Gott der Musik und des Tanzes, dargestellt als grotesker Zwerg mit Löwenkopf, Federkopfschmuck und heraushängender Zunge.
(Theben)
Chons (ägypt. Chensu) Mondgott, dessen Name "der Wanderer" bedeutet, meistens mumienförmig, gelegentlich mit Falkenkopf dargestellt, trägt Geißel und Zepter, auf dem Kopf trägt er horizontal eine Mondsichel, auf der ein Vollmond steht.
(Theben-Karnak & Kom Ombo)
Cheperi (ägypt. chepr) Schöpfergott, dargestellt als Mensch mit einem Skarabäus auf dem Kopf. Entstanden aus der Beobachtung, daß der Mistkäfer aus der Erde hervorkommt und eine Kugel (Sonnenscheibe!) vor sich herrollt
Chnum (ägypt. Chenemu) der Töpfergott, welcher auf der Tonscheibe die Schöpfung des Menschen vollzieht. Dargestellt als Gott mit Widderkopf und geradem Widdergeweih
(Elephantine)
Geb Ehemann von Nut und Erdgott, zuständig für die Vegetation. Dargestellt als Mensch mit Gans auf dem Kopf
Hapi Fruchtbarkeitsgott. Der Nilgott wird dargestellt als sitzender fetter Mann mit einem Tablett von Libationsvasen und einem Bündel Lotusblumen auf seinem Kopf
(Gebel el Silsila & Assuan)
Hathor (ägypt. Het-Hert, das Haus des Horus), Frau von Amun-Re, Herrin des Himmels, dargestellt als Frau mit Kuhgehörn mit Sonnenscheibe
(Dendera, Memphis, Theben West)
Horus (ägypt. Hor) Sohn von Isis und Osiris, er repräsentiert die morgentlich aufgehenden Sonne und wird auch als der Rächer seines Vaters (Osiris) bezeichnet. Falkenköpfiger Mensch mit Doppelkrone, Doppelfederkrone oder dreifache Atef-Krone
(Abydos)
Isis (ägypt. Iset) Tochter von Geb und Nut, verheiratet mit ihrem Bruder Osiris. Ist eine Universalgöttin und die symbolische Mutter des ägyptischen Königs; Darstellung als Frau mit Hieroglyphenzeichen für "Thron" oder Kuhgehörn wie Hathor oder Geierhaube auf dem Kopf; auch als den Horus säugende Mutter, der auf ihren Knien sitzt. Steht am Fußende der Bahre des Osiris
(Dendera, Philae, Abydos)
Maat (ägypt. Ma'at) Tochter des Re, symbolisiert das Recht, die Wahrheit und die göttliche Ordnung der Schöpfung; dargestellt als sitzende Frau mit Straußenfeder
(Theben)
Min Fruchtbarkeitsgott, er repräsentiert die Schöpfungskräfte der Natur, dargestellt als mumienähnlicher Mensch mit Doppelfederkrone, Wedel und eregiertem Phallus
Month (ägypt. mentju), ein Kriegsgott mit Falkenkopf, auf dem Kopf die Sonnenscheibe mit Doppelfederkrone, in der 11. Dynastie 4 Könige nach ihm benannt (Mentuhotep = Mentju ist zufrieden)
(Theben)
Mut die Weltenmutter und Frau von Amun, Mitglied der Thebanischen Triade. Sie symbolisiert die Natur, die Mutter aller Dinge. Dargestellt als Frau mit einer Geierhaube, zuweilen mit Doppelkrone
(Theben)
Nechbet Amme des Pharao, repräsentiert die Herrschaft Oberägyptens, Frau mit Geierhaube oder o-ä. Krone auf dem Kopf. Seit der 1. Dynastie im nebti-Namen enthalten.
(Necheb/Elkab)
Neith (ägypt. Net) wie Mut eine Mutter-Gottheit, auch identifiziert mit Hathor, Schöpfergottheit, seit der 1. Dynastie erwähnt. Dargestellt als Frau mit der Krone von Unterägypten oder zwei zusammengebundenen Bogen mit gekreuzten Pfeilen und Schild
(Saïs)
Nephthys (ägypt. Nebet hwt), Tochter von Geb und Nut, verheiratet mit ihrem Bruder Seth. In einer langen Tunika gekleidet mit dem Hieroglyphenzeichen für "Herrin des Hauses" auf dem Kopf. Steht am Kopfende der Bahre von Osiris.
Nut Frau von Geb und Mutter von Osiris, Isis, Seth, Nephthys, Anubis, Schu und Tefnut, Himmelsgöttin. Sie wird dargestellt als Frau mit einem kugeligen Tongefäß auf dem Kopf
(Theben)
Osiris (ägypt. Wesjr) Sohn von Geb und Nut, Ehemann von Isis, der große Gott und Herrscher der Unterwelt, Richter der Toten. Er trägt die Atef-Krone,in der rechten Hand den Wedel, in der linken den Krummstab (heqa). Weiterer Name "Wenennefer" der ewig Vollkommene.
(Abydos)
Ptah der "Öffner", wahrscheinlich der am längsten verehrte Gott, Darstellung als Mumie mit eng anliegender Kappe, hält eine Zepter bestehend aus was-, anch- und djet-Zeichen
(Memphis)
Re (Ra) der Sonnengott, auch der Schöpfer der Götter und Menschheit, sein Zeichen ist die Sonnenscheibe, er repräsentiert die Mittagssonne. Menschengestaltig mit Falkenkopf, Sonnenscheibe auf dem Kopf, anch- und was-Zepter in den Händen
(Heliopolis)
Sachmet (ägypt. Sechmet), die "Mächtige", Ehefrau von Ptah, sie repräsentiert die Hitze der Sonne und ihrer zerstörenden Kraft. Frau mit Löwenkopf mit Sonnenscheibe und Uräus.
(Memphis)
Schu eine Schöpfung von Atum wie seine Schwester Tefnut, ist der Gott des Lichts, der Wärme und der Luft. Er trennt den Himmel (Nut) von der Erde (Geb). Dargestellt als kniender Mann
(Leontopolis)
Serket (ägypt. Selket) Tochter des Re, Frau von Horus, symbolisiert die glühende Hitze der Sonne. Dargestellt als Frau mit Skorpion mit zum Stoß aufgerichteten Stachel auf dem Kopf
Seth Sohn von Geb und Nut, Bruder von Osiris, Ehemann von Nephthys;er repräsentiert die zerstörenden Kräfte der Sonnenhitze, die Personifizierung des Bösen, dargestellt als menschengestaltige Person mit dem Kopf eines Fabeltiers.
Sobek (ägypt. Sebek) repräsentiert die zerstörenden Kräfte der Sonne, Krokodilgottheit, dargestellt als Krokodil oder Mann mit Krokodilkopf
(Kom Ombo, Medinet-el Fajjum)
Sokar (ägypt. Seker, griech. Socharis), Gott der Nekropole von Memphis; repräsentiert die Nachtsonne, dargestellt als falkenköpfiger Mann mit Wedel, was- und heqa-Zepter in den Händen. Im Neuen Reich als Ptah-Sokar-Osiris verehrt
(Memphis)
Tawret (Thoueris), Frau von Seth, dargestellt mit Kopf und Körper eines trächtigen Nilpferdes, sie trägt Doppelfederkrone mit Sonnenscheibe.
Tefnut geschaffen von Atum wie ihr Bruder Shu, ist die Göttin der Feuchtigkeit.
(Leontopolis)
Thot (ägypt. Djehuti) genannt der "Messer", war Schreiber der Götter, der Messer der Zeit und Schöpfer von Schrift und Zahlen. Dargestellt durch einen Mann mit Ibiskopf, Symbole der Gottheit sind der Pavian oder der Ibis
(Hermopolis)
Upuaut siehe bei Anubis
Wadjet
Udjat
repräsentiert die Herrschaft Unterägyptens, eine Schlangengöttin in der Gestalt einer aufgerichteten Kobra, sie trägt manchmal rote Krone U-Ägyptens. Bestandteil des nebti-Namens
(Buto)

    

Die Hauptorte der Götterverehrung

Die Hauptorte des ägyptischen Reiches lagen alle in der Nähe des Nils; er war die Lebensquelle dieses Volkes, welches von der jährlich im Frühjahr kommenden Nilflut, dem dabei angeschwemmten schwarz-braunen Nilschlamm und den dann fruchtbaren Äckern lebte. Blieb die Flut aus, drohte eine Dürre- und damit auch eine Hungerperiode. Die alten Ägypter nannten ihr Land "Km.t" - gesprochen "Kemet". Die Übersetzung hierzu lautet "das Schwarze" oder "das Vollkommene"; ihr Land, das von schwarzen Nilschlammfluten überschwemmt wurde, war eine vollkommene Schöpfung. Was links und rechts jenseits der Wüsten im Osten und Westen lag, wußte man bis zum Ende der 18. Dynastie und den Eroberungsfeldzügen Tuthmosis III. nicht.

Im Bereich des Nildeltas und damit in Unterägypten lagen u.a. die Orte Buto, Heliopolis, Hermopolis und die alte Hauptstadt Memphis. In Oberägypten und damit im Bereich des mittleren Nils lagen Abydos, Dendera, Edfu und Theben, weiter südlich am Oberlauf des Nils lag dann noch Abu Simbel.

Heliopolis

Die Stadt Heliopolis am östlichen Rand des Nildeltas war faktisch die Geburtsstätte des ägyptischen Sonnengottkultes, wie der (ins Griechische übertragene) Name schon sagt. Aus dieser Stadt stammt auch die Definition der so genannten "Heliopolitanische Neunheit". Diese neun (Haupt-)Götter bilden eine Grundlage der ägyptischen Götterhierarchie, welche folgendermaßen geordnet ist:

  
Atum /
(Re)   
   Tefnut (Luft) Schu (Feuchte)   
   Geb (Erde) Nut (Himmel)   
Osiris Isis Seth Nephthys
Horus
     


Nach der Göttermythologie entstand der Gott Atum aus dem Urmeer Nun; er schuf die beiden Götter Schu und Tefnut, diese wiederum zeugten die Götter Geb und Nut. Aus der "Verbindung" zwischen dem Erdgott Geb und der Himmelsgöttin Nut gingen die vier Götter Osiris, Isis, Seth und Nephthys hervor. Osiris erhielt die Schwester-Gemahlin Isis, Seth erhielt Nephthys als Frau. Der jähzornige Seth brachte Osiris um, zerstückelte seine Leiche in 14 Teile und verteilte sie über die ganze Erde. Isis suchte auf der Erde alle Teile, fand 13 Teile und band sie mittels Binden wieder zu einem Körper zusammen (Mumie !) und zeugte mit dem toten Osiris den Göttersohn Horus. Horus wollte den Tod seines Vaters an seinem Onkel rächen und sich als Nachfolger einsetzen lassen. Bei dem Kampf wurde Horus am Auge verletzt, der Erdgott Geb entschied im Streit zwischen Seth und Horus und erklärte Horus zum berechtigten Nachfolger seines Vaters Osiris. Seth wurde wegen seines Tuns in die Wüste verdammt und als Gott des Chaos eingesetzt. Isis und Nephthys spielen beim Totenkult der Ägypter eine große Rolle, sie sind die Bewacher und Beschützer der Toten, wobei sie häufig als Weihen mit langen Schwingen schützend an der Mumie des Verstorbenen wachen; Nephthys an der Kopfseite im Norden, Isis an der Fußseite im Süden.
Im Alten Reich kommt zu dieser Götterhierarchie der Sonnengott Re hinzu, er ist unabhängig von den lokalen Gottheiten und findet überall Verehrung. Zum Verhältnis von Re und Amun siehe den Abschnitt Die Reise der Sonne, danach wird Re dem Schöpfergott Amun gleichgestellt und erscheint somit auch in der Götterhierarchie zu Amun "ebenbürtig"

Heliopolis war die Stadt des Sonnenkultes, hier wurden also vorrangig die Gottheiten Atum und Re verehrt.

Memphis

Memphis, etwas südlich der heutigen Nilmetropole Kairo gelegen, war die Hauptstadt der Königsriten; das heißt, hier fanden die Krönung des Königs und seine Thronjubiläumsfeste (Sedfest) statt. Verehrt wurde hier die memphitische Göttertriade Ptah & Sachmet und ihr "Götterkind" Nefertem - auch das Sonnenkind genannt. Weiterhin war Memphis die Stadt der heiligen Apisstiere, zu erkennen an einer dreieckigen weißen Blesse auf der Stirn; sie galten als Boten des Gottes Ptah. Weiterhin wurden hier die Göttin Hathor sowie Imhotep, der Baumeister des Königs Djosers verehrt.

Hermopolis

Die Stadt lag zwischen Memphis und Abydos auf der linken Seite des Nilufers und lag ziemlich direkt gegenüber der von Echnaton gegründeten neuen Hauptstadt Achet-Aton. Verehrt wurde in Hermopolis der als Pavian- oder Ibisgestaltig dargestellte Gott Thot, der Gott der Weisheit und des Schreibens.

Abydos

Abydos, am westlichen Ufer des Nils gelegen, galt als eine Verehrungsstätte der Totengottheiten Osiris und Chontamenti, der mit Canidenkopf (Schakal) dargestellt wurde. Der Schakal war den Ägyptern als Aasfresser bekannt, der die Gräber aufgrub und die Verstorbenen wegschleppte und fraß. Und da man ihn nicht erfolgreich daran hindern konnte, war er also ein Gott, der die Toten holte. In Abydos befanden sich 7 nebeneinander angelegte Kapellen zur Verehrung der Götter, diese Kapellen galten von rechts nach links gesehen der Verehrung von Amun von Theben, Horus von Heliopolis, Ptah von Memphis, Horus, Isis und Osiris. Die letzte Kapelle war für Sethos I. errichtet worden. In der Absicht, mit Hilfe einer fiktiven Bestattung in Abydos an der Auferstehung des Osiris teilzuhaben, errichteten mehrere Könige in Abydos ein Kenotaph oder Osiris-Grab; entsprechende Anlagen von Sesostris III., Ahmose und Sethos I. sind bekannt.

Dendera

In Dendera, nahe dem heutigen Ort Qena, befand sich ein großer Hathor-Tempel zur Anbetung dieser Göttin.

Theben

Theben war im Neuen Reich (18. - 20. Dynastie) die Hauptstadt des ägyptischen Reiches, auf dem Ostufer waren die Tempelanlagen bei den heutigen Orten Karnak & Luxor, auf dem westlichen Ufer waren die Nekropolen (Totenbezirke) von Medinet Habu, Deir-el-Bahri, ab dem neuen Reich auch die Begräbnisstätten im Tal der Könige und der Königinnen angelegt mit der Arbeitersiedlung Deir-el-Medine, hier waren die Leute untergebracht, welche die Begräbnisstätten schufen.

In Karnak wurde die Karnak-Triade, bestehend aus den Göttern Amun, Mut, und ihrem "Sohn" Chons (Mondgott) verehrt. Diese Triade machte jährliche Besuche des Luxortempels auf der Ostseite und den Totentempeln in Theben-West. In Theben-West wurde die Göttin Hathor als "Oberhaupt d. westl. Wüste" verehrt.

Edfu

In Edfu wurde der Gott Horus im so genannten Horus-Kult verehrt.

Abu Simbel

Ramses II. ließ in diesem Ort im heutigen Nordnubien eine große Tempelanlage zur Verehrung der Reichstriade sowie eine weitere kleinere Anlage zur Verehrung der Hathor errichten. Im Sonnenheiligtum des großen Tempels hat sich Ramses II. zusammen mit den Göttern Amun, Re-Harachte und Ptah abbilden lassen. Jeweils am 20. Februar und 20. Oktober tritt bei Sonnenaufgang eine völlige Ausleuchtung dieser sonst im Dunkel liegenden Kultbilder ein.




    


Die Reise der Sonne

Der Lauf unseres Hauptgestirns am Himmel war natürlich von den Priestern mit hohem Interesse verfolgt und der staunenden Bevölkerung in ihr verständlicher Weise erklärt worden. Danach ging die Sonne abends nach einem täglichen Lauf über den südlichen Himmel im Westen unter und erschien am Morgen wieder am östlichen Himmel, über Nacht reiste die Sonne in der Himmelbarke durch das Totenreich - diese befanden sich ja unter der Erde - von Westen nach Osten, um dort am nächsten Morgen wieder zu erscheinen. In der Sonne sahen die Ägypter den Schöpfergott Re, der sich beim Lauf über den Tageshimmel in den Gott Atum verwandelte. Wenn morgens im Osten die Sonne aus dem Horizont stieg, kam nach ihren Vorstellungen der Gott Re in Gestalt eines Skarabäus (Mistkäfers) aus der Erde ans Tageslicht; die ägyptologische Bezeichnung der Skarabäus-Hieroglyphe ist "hpr" - gesprochen "cheper". Eine der Übersetzungen für die Hieroglyphe ist der Begriff "Werden". In der Mittagszeit steht die Sonne als Scheibe im Zenith des südlichen Himmels, die Gottheit Re wird durch die Hieroglyphe einer Sonnenscheibe symbolisiert, gelesen "Ra". Am Abend, wenn die Sonne in der westlichen Wüste versank, war die Gottheit zu einem alten Mann "Atum" geworden, der in die Unterwelt einging, mit der Himmelbarke durch die 12 Stunden der Nacht im Totenreich des Osiris nach Osten segelte und am nächsten Morgen als wieder verjüngter Gott in der Gestalt eines Skarabäus aus der Unterwelt entstieg. Als weitere Interpretation dieses Phänomens wurde den götter- und magiegläubigen Ägyptern erklärt, daß die Himmelsgöttin Nut beim Sonnenuntergang im Westen die Sonne verschlang, um sie am nächsten Morgen im Osten wieder zu gebären. Diese bildliche Darstellung findet sich in mehreren Gräbern. Es war natürlich der sehnlichste Wunsch aller Verstorbenen, nach ihrer Grablegung eine dem Herrscher des Totenreiches - Osiris - gleichgestellte Person zu werden, diese Reise auf der Himmelbarke mitmachen zu können und damit am nächsten Morgen wieder aufzuerstehen zu einem neuen Leben in himmlischen Gefilden.

Literaturverzeichnis:
G. Hart, Egyptian Gods and Goddesses, Routledge, London
K. Lange, Ägypten, Hirmer-Verlag, München
M. Lurker, Götter & Symbole d. alten Ägypter, Goldmann
I. Shaw, P. Nicholson, Reclams Lexikon d. Alten Ägypten, Philipp Reclam jun., Stuttgart
E. Hornung, Die Nachtfahrt der Sonne, Artemis & Winkler



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