Alt-Ägyptische Märchen.



Im Orient sind die Märchenerzähler eine alte Tradition - wer kennt nicht "1001 Nacht" oder "Aladin und seine Wunderlampe". Auch im Alten Ägypten war dies so und so weist die ägyptologische Forschung eine Fülle von derartigen Erzählungen auf, die natürlich gern zu Lehr- und Übungszwecken im Unterricht herangezogen werden. Übermittelt sind diese Märchen in Form von Papyri, deren hieratische Zeichen in Hieroglyphen umgesetzt wurden, um sie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Diese Märchen hat schon Heerscharen angehender Ägyptologen in Lektürekursen beschäftigt, sie bilden ein dankenswertes Praktikum in der Erlernung der mittelägyptischen Sprache und Schrift. Zwei dieser Märchen seien daher einmal hier vorgestellt.



Die Geschichte des Schiffbrüchigen

Die Quelle dieses Märchens ist der in der Eremitage von Leningrad in hieratischer Schrift liegende Papyrus 1115 aus der 12. Dynastie (um 2000 V. Chr.). Die hieroglyphische Umschrift, d.h., die Konversion des Textes von hieratischer Schrift in Hieroglyphen, erfolgte von A. M. Blackman, "The Story of the Shipwrecked Sailor" (Middle Egyptian Stories), 1932.

Die Geschichte der Ruddedet

Dieses Märchen ist im Papyrus Westcar, Papyrus 3033 von Berlin enthalten, veröffentlicht von A. Erman, "Die Märchen des Papyrus Westcar", (Berlin 1890); zuletzt übersetzt in: "The Literature of Ancient Egypt", S.15-3o. Das Papyrus ist die einzige Handschrift des Textes und ist etwa im 17. vorchristlichen Jahrhundert in hieratischer Schrift geschrieben (frühe Hyksoszeit). Er geht auf eine Vorlage aus der 12. Dynastie zurück (um 2000 v. Chr.) und dürfte die Aufzeichnung der viel älteren volkstümlichen Erzählung eines fahrenden Sängers darstellen, welche die Ereignisse um den Wechsel von der 4. zur 5. Dyn. märchenhaft umschreibt.

    

Literatur:
E. Brunner-Traut, Alt-Ägyptische Märchen, Diederichs-Verlag [München]
E. Hornung, Altägyptische Dichtung, Reclam-Verlag [Stuttgart]


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