Die Tierwelt Australiens

 Kookaburra im Healesville sanctuary oder
 "Wer hat meine Brieftasche geklaut?"

 

In Australien hat sich, bedingt durch die Isolation des Kontinents über Jahrmillionen, eine Reihe von Tierspezies erhalten und entwickelt, die auf dieser Welt einmalig sind. Begünstigt wird das auch durch eine rigorose Einfuhrkontrolle des Department of Quarantine, welches jede importierte Sendung kritisch in Augenschein nimmt und Inhalte, welche in irgendeiner Weise Flora oder Fauna des Landes gefährlich werden könnte, beschlagnahmt und vernichtet. Das führt dann zu der grotesken Situation, daß ein Blumenhändler Baumsamen importieren darf, ein Aussie jedoch Grassamen bei der Einreise am Flughafen abgenommen bekommt oder Himbeermus aus einem Paket entnommen und vernichtet wird. Und diese Einfuhrkontrolle wird von vierbeinigen Zollinspektoren durchgeführt; Beaglehunde laufen mit ihren Führern im Gepäckausgabebereich der Flughäfen und nehmen mal "eine Nase voll" am Koffer oder Handgepäck der Passagiere. Und bleiben wie angenagelt neben dem Koffer sitzen, wenn sie was erschnüffelt haben. Erfolgsquote 100 %, garantiert.

Auf der anderen Seite hat die Auswilderung von Hauskaninchen, Hauskatzen und -hunden zu einer massiven Bedrohung der einheimische Tierwelt geführt: da diese ausgewilderten Tiere keine natürlichen Feinde haben, bedrohen sie die heimische Tierwelt durchaus.

Ein Teil dieser Tierwelt sieht man in der freien Natur, jedoch ohne ihnen nahe kommen zu können: sie fliehen bei Annäherung. Gänzlich anders verhalten sich die Tiere jedoch in den sogenannten "sanctuaries"; dies sind Pflegestationen, in denen verletzt aufgefundene Tiere abgegeben werden und wo sie liebevoll wieder gesund gepflegt werden. Diese Tiere haben den Menschen als Helfer kennengelernt und verlieren mit der Zeit die Scheu vor ihm und lassen ihn damit auch an sich herankommen. Bei all dieser Zutraulichkeit sollte man eines nicht aus dem Auge verlieren: es sind Wildtiere und keine domestizierten Haustiere und ein Wildtier kann sich durchaus einmal als solches gebährden. Die Verletzungen, welches z.B. ein auskeilendes Rotes Riesenkänguruh einem aufdringlichen Besucher mit seinen Hinterpfoten und den daran vorhandenen 4-7 cm langen "Dolchen" beibringen kann, sind gewaltig und beschäftigen einen Chirurgen, unter Umständen aber auch nur den Pathologen, hinreichend! Vorsicht ist also durchaus angemessen bei der Annäherung und dem Berühren dieser so lieb dreinschauenden Tiere!

Die Krallen eines Känguruhs - irgend ein weiterer Kommentar erforderlich oder doch besser Abstand?



Die Beutelbrüter (Känguruh, Koala, Wombat & Echidna)
Die Vogelwelt (Kookaburra, Emu, Papageien & Pinguine)
Besondere Bewohner (Tasmanischer Teufel, Blauzungen-Lizard)



Die Beutelbrüter

Beutelbrüter, was sind das? Als solche bezeichnet man eine Klasse von Säugetieren, bei denen der Embryo nach einer Tragezeit von wenigen Wochen aus der Gebärmutter heraus- und (dann erst wenige Millimeter groß) über das Fell in eine auf der Bauchseite des Muttertiers vorhandenen Beutel heineinkriecht. Dort "dockt" der Embryo an einer Zitze an und wächst die nächsten Monate bis zum Kleintier heran, das dann schließlich aus dem Beutel herausguckt, daraus herausklettert, um selbst zu äsen, zum Schutz wieder in den Beutel hineinkriecht um schließlich von der Mutter "an die frische Luft" gesetzt zu werden nach dem Motto "Hotel Mama ist geschlossen, sieh zu, wie du jetzt selbst weiterkommst".

Zu dieser Tierklasse gehören die Känguruhs und ihre verwandten "Kleinausgaben", die Wallabys (Bennett-Wallaby, das Podamelon oder Rufus-Wallaby); der Koala, der Wombat und der Schnabeligel (Echidna). Alle Tiere dieser Gattung sind "Vegetarier", also reine Pflanzenfresser.


Das Känguruh, hier zwei Rote Riesenkänguruhs, sind aufgerichtet mehr als 2 Meter hoch und flößen dementsprechend schon einmal Respekt ein. Kennzeichnend für die Känguruhs sind ein etwas kantiges Gesicht, starke Hinterläufe und der dicke Schwanz. Letzterer dient allen Känguruhs bei Springen als Stabilisator bei ihren riesigen Sätzen. Beheimatet sind sie im outback, den steppenähnlichen Zonen des australischen Kontinents sowie den daran angrenzenden Besiedlungsgebieten.

Das Wallaby, hier ein Bennetts Wallaby mit einem Jungtier (Joey) im Beutel, ist aufgerichtet etwa 1,40 Meter hoch, hat ein zierliches Gesicht mit einer weißen/graubraunen Linie zwischen Augen und Nase, wesentlich kürzere Hinterläufe als sein großer Bruder und einen relativ dünneren Schwanz. Diese Tiere kommen auch am Rande der Besiedlungsgebiete vor und sind z.B. in den Vororten von Melbourne durchaus anzutreffen.

Das Podamelon oder Rufus-Wallaby, der ganz kleine Bruder des Känguruhs, ist mit einer Höhe von 60-80 cm im aufgerichteten Zustand der kleinste seiner Klasse. Dementsprechnd zierlich sind auch die Gliedmaßen gestaltet. Das Tier findet sich nur in vereinzelten Gebieten Australiens, sicher jedoch in Tasmanien, wo diese Aufnahme entstanden ist.

Der Koala oder auch Beutelbär ist eines der Wahrzeichen von downunder. Der meistens in Baumspitzen dösende Koala ist ein wandelnder Eukalyptusbehälter; seine einzige Nahrung sind 5 der etwa 120 Eukalyptusarten in Australien. Die Bezeichnung "Koala" stammt aus der Sprache der Ureinwohner und heißt "der nichts trinkt". Denn der Koala deckt seinen Flüssigkeitsbedarf ausschließlich aus der Feuchte der Eukalyptusblätter. Seine im allgemeinen sehr trägen Bewegungen wandeln sich in beachtliche Geschwindigkeit, wenn Gefahr droht - oder wenn er im Zoo bemerkt, daß es da unten was zu fressen gibt. Der so lieb dreinschauende Koala hat an seinen Pfoten 4 nette kleine Dolche von 3-4 cm Länge und kann damit einem aufdringlichen (menschlichen) Verehrer sehr schmerzhaft klarmachen, daß er keine Lust hat, das Püppchen zu sein.

Die Krallen eines Koala

Der Wombat, hier ein hairy-nosed-wombat von etwa 2 Jahren. Die Aussies bezeichnen ihn als eine "barrel-shaped creature", was seine faßförmige Körperform gut beschreibt. Er wird ausgewachsen 30 kg schwer und ist wegen seiner unterirdisch angelegten Höhlen bei den Farmern ausgesprochen unbeliebt. Schon viele Rinder haben sich beim Treten in einen Höhleneingang - Durchmesser 25 cm, 40 und mehr cm tief - ein Bein gebrochen und mußten erschossen werden.

Der Schnabeligel oder auch Echidna genannt ist ein recht scheues Tier, ausgewachsen etwa 30 cm groß und mit einem "Entenschnabel" versehen, mit welchem er die Erde durchpflügt auf der Suche nach etwas Freßbaren.

  

Die Vogelwelt

Viele in Australien vorkommende Vögel sind uns aus Europa gut bekannt, die Amsel (blackbird), der Spatz (sparrow), die Finken (finches) oder die Krähe (magpie) sind auch dort weitverbreitet. Daneben gibt es natürlich viele Vogelarten, die wir nicht bei uns kennen. Enige sind nachfolgend vorgestellt.

Der Kookaburra oder Laughing Jack (Lachender Hans) - hier eine Albinoversion des Vogels, die normale Version findet sich am Kopf dieser Seite - heißt auch der "Wecker des Buschmannes", da er den Tagesanfang mit seinem "Gesang" begrüßt. Dieser besteht in einem homerischen Gelächter, das bei den tiefen Tönen beginnt und bis ins höchste Falsett gleitet. Und wenn einer anfängt, fällt der ganze umliegende Chor mit ein. Der Vogel ist ein direkter Verwandter des bei uns heimischen Eisvogels, nur daß er sich nicht von Fischen, sondern von Würmern und kleinen Schlangen ernährt. In der Nähe menschlicher Siedlungen ist er inzwischen soweit domestiziert, daß er Attacken auf Hamburger fliegt, sich die "Frikadelle" klaut und dem verdutzten Zweibeiner ein Salatblatt-belegtes Brötchen hinterläßt. Dies ist kein Jägerlatein, sondern die Erfahrung eines Kollegen aus Sydney, der diesen "Diebstahl" bei seiner Frau im Taronga-Zoo fassungslos miterlebte!

Der Emu, ein in Australien beheimateter Straußenvogel, ist neben dem Känguruh das zweite Wappentier des australischen Staatswappen. Er erreicht die Körperhöhe eines ausgewachsenen Menschen und kann, in den sanctuaries an den Menschen gewöhnt, dort ziemlich aggressiv um Futter betteln.

Die Papageien, hier ein sulphur-crested Kakadu, sind in Australien eine weit verbreitete Vogelspezies. Ihr kreischender Ruf ist ziemlich typisch und unschwer zu verkennen.

Die Fairy-Pinguine auf Phillip Island, einer Insel südlich von Melbourne, bilden jeden Abend nach Einbruch der Dunkelheit eine Attraktion bei ihrer "penguine parade", die Tausende von Besuchern anzieht. Hunderte Pinguinen, die den Tag über in der Bass Strait nach Futter gesucht und sich voll gefressen haben, kehren zur Fütterung ihrer Brut in den Nisthöhlen an den Strand zurück.

  

Besondere Bewohner Australiens

Einige Lebewesen Australiens sind absolute Novitäten für den einreisen Europäer, hier sind sicher die bei uns - in dieser Größe unbekannten - Echsen erwähnenswert, die in den heißen Zonen des Landes zuhause sind.



Der Tasmanische Teufel, eine angeblich gefährdete Tierspezies, ist auf Tasmanien zu finden und dort keinesfalls eine Seltenheit. Die Tiere sind die Gesundheitspolizei auf den Landstraßen. Ein dort überfahrenes Stück Wild ist innerhalb der nächsten 6-8 Stunden spurlos entfernt weil gefressen. Die Tiere haben einen unglaublich starken Kiefer, mit einem Biß wird der stärkste Knochen zerbissen und das Tier mit Haut und Haaren gefressen. Diese "Teufel" sind reine Aasfresser, greifen also Menschen oder gesunde Tiere nicht an - entgegen immer wieder anders gehörten Aussagen! Sie haben die Größe eines kleinen Dackels und sind außerordentlich scheu. Ihr Freßverhalten ist allerdings teuflisch aggressiv, da greift das Jungtier durchaus die Mutter an, um ihr die Beute abzujagen und zerrt mit gefletschten Zähnen am anderen Ende der Beute.

Der Blauzungen-Lizard gehört zu der Vielzahl in Australien lebender Echsen. Wie sein Name schon sagt, hat er eine stahlblaue Zunge, mit der er Insekten fängt. Die Länge dieses Exemplars ist etwa 70 cm.

    



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