Meinen Einstieg in die Welt der Musik kann ich eigentlich nicht als gelungen betrachten; mit 13 oder 14 Jahren wurde mir von meiner Mutter ein Theaterabonnement "verpaßt" - ich sollte schließlich von der Kultur beleckt ins Leben treten. Eine gute Absicht, aber was folgte, war nicht als geglückt zu bezeichnen. Wenn man als 14-Jähriger Richard Wagners "Ring der Nibelungen" vorgesetzt bekommt, ist die stundenlange Sitzerei nur noch eines: frustierend. Es folgten eine Reihe anderer Aufführungen am Lübecker Stadttheater, die mir auch nicht zusagten und damit war das Abonnement "erledigt". Statt dessen kaufte ich mir eine Chromonika III, um den von mir verehrten Hotcha-Trio nachzueifern, aber mein Harmonikalehrer zog Etüden vor, sodaß ich den Unterricht "geschmissen" habe. Ich suchte in Lübeck neue (musikalische) Ziele und landete im riverboat an der Puppenbrücke, damals DAS Jazzlokal in Lübeck mit live-Bands. Was ich da hörte, gefiel mir recht gut und so wurde das boat zum 2. Wohnzimmer - sehr zum Unwillen meiner Erziehungsberechtigten. Und ohne Zwang, aber mit viel Interesse am Objekt lernt es sich leichter: das Schlagzeug wurde mein Harmonika-Ersatz und ich kann sagen, kein schlechter. Auch damals war es Brauch, daß die Musiker eine Zigarettenpause mit Cola einlegen wollten, manche des öfteren, andere weniger oft. Und es waren immer wieder die drummer, welche die Auszeit suchten. Die gute Gelegenheit, als "Ersatz" an der batterie zu glänzen. Und ganz gegen die geäußerten Befürchtungen aus dem familiären Umfeld schaffte ich den Lehrabschluß mit links und mit Bestnote. Die Musik jener Tage - Dixieland - hat mich mein Leben lang begleitet und tut es auch noch heute; auch wenn diese Musikrichtung inzwischen nicht mehr sonderlich "in" ist. Dafür gibt es schließlich Tonträger, und davon habe ich reichlich.

Ob Bix Beiderbecke oder Scott Joplin, Sidney Bechet oder Django Reinhardt, ob die großen Big Bands wie Benny Goodman oder das Modern Jazz Quartett: für bestimmte Bereiche der Jazzmusik habe ich seit Jugendtagen ein großes Interesse und sammele frühe Aufnahmen der Interpreten. Dies vor allem, um die musikalische Entwicklung am Instrument zu verfolgen. Ein Sidney Bechet mit den New Orleans Feetwarmers in 1926 klingt anders als der Gleiche Mitte der 50er Jahre mit dem Quintett du Hot Club de France.

Ich habe meine 33er-Jazz-LPs (so ca. einhundert Platten) inzwischen mittels eines Konversionsprogrammes und einem Plattenspielers mit USB-Ausgang als mp3-Dateien auf meinen PC gebracht und anschließend auf CDs gebrannt.

Mit zunehmenden Alter änderte sich auch die Interessenlage für die Musik, aus Dixieland wurde mehr moderne Richtungen. Und es erfolgte ein relativ radikaler Umschwung in der generellen Richtung: die klassische Musik wurde interessant, hier insbesondere die Holzblasinstrumente, eine Favoritin wurde Sabine Mayer, deren Farbigkeit auf Klarinette und Bassethorn unglaublich filigran erscheinen. Später kam die Orgel hinzu. Die Orgelwerke von J.S. Bach, Dietrich Buxtehude und Franz Tunder gehören jetzt zu meinem "Standardrepertoire" - die beiden Letztegenannten waren Organisten an der Marienkirche zu Lübeck. Fasziniert haben mich auch die Klassikeinspielungen von dem französischen Jacques Loussier Trio, welche die Musik von Bach, Händel und Vivaldi - um nur drei zu nennen - in unglaublich präziser Darbietung "verjazzten".