Dampflokomotiven

Die Dampflokomotiven sind inzwischen aus dem Eisenbahnverkehr verschwunden, die letzte Lok ihrer Bauart wurde 1974 aus dem Verkehr genommen, im bahnamtlichen Deutsch "z-gestellt". Hauptgründe hierfür waren die starke Verschmutzung durch den Rauch und der geringe Wirkungsgrad dieser Lokomotiven. Nur etwa 10 % der eingesetzten Energie konnte in Bewegunsgenergie umgesetzt werden, 90 % gingen als Abwärme verloren. Trotzdem bilden diese Modelle ein Bild der ursprünglichen Kraft, die von diesen Maschinen ausging. Nicht umsonst sind viele der Modelle bei den Modellbahnern beliebt.

Welche Lok ist das?

Sofern man an einer Lok steht und die Baureihe ablesen kann, ist die Frage sehr schnell beantwortet, wie die nachstehende Tabelle zeigt

Baureihe Loktyp Tenderart
001 - 019 Schnellzugloks Tender 4-5-achsig
020 - 039 Personenzugloks Tender 3-4-achsig
040 - 059 Güterzugloks Tender 4-5-achsig
060 - 079 Personen- und Schnellzugtenderloks Rucksack
080 - 096 Güterzugtenderloks Rucksack

Aber auch aus größerer Entfernung ist eine Identifizierung durchaus nicht so schwer, denn aus der Aufgabenstellung der Lok ergeben sich sichere Hinweise.

Eine Schnellzuglokomotive muß "relativ" geringe Last schnell befördern: sie hat wenige (3 maximal 4) sehr große Treibräder (bis zu 2 m Durchmesser), gut zu sehen an den BR 01 bis 012, die Maximalgeschwindigkeit betrug 130-140 km/h bei einer Leistung von 1400 - 1600 kW.

Eine Güterzuglok muß schwere Lasten ziehen, sie braucht größeren Kraftschluß auf den Schienen und hat daher mehr (bis zu 5, Malletloks bis zu 8), aber im Durchmesser kleinere Treibräder (1,40 bis 1,60 m). Ihre Maximalgeschwindigkeit liegt deutlich unter 100 km/h. Ihre Leistung betrug 1500 - 2000 kW (BR 45). Während eine Lok mit einem Raddurchmesser von 2 m mit einer Umdrehung einen Weg von 6,3 m zurücklegt, sind dies bei 1,4 m Durchmesser nur 4,4 m. Die (nicht angetriebenen) Vor- bzw. Nachlaufräder dienen der Spurhaltung und Lastverteilung der Lok.

Lokomotiven mit Rucksacktender (BR 78, 85, 96) haben wegen der deutlich geringeren Kohle- (und Wasser-)vorräte eine geringere Reichweite, können also nur den Kurzstreckenverkehr bedienen oder sind im Rangiereinsatz.

Seit Mitte der 20er Jahre wurden ein großer Teil der Dampfloks mit sogenannten Windleitblechen ausgestattet. Sie dienten der Ableitung von Rauch und Dampf aus dem Sichtbereich der Lokfenster, um dem Lokführer einen einwandfreien Blick nach vorne auf die Strecke zu ermöglichen.
Wagner-Bleche Witte-Bleche
Zuerst erhielten die Loks Wagner-Bleche, die seit den Mitte der 40er Jahre durch die Witte-Bleche ersetzt wurden. Das neue Windleitblech sparte Material und hatte eine verbesserte Wirkung im Hinblick auf die Streckensicht des Lokpersonals. Diese Bleche wurden nach dem Krieg bei der DR und DB anstelle der größeren Wagner-Windleitbleche bei fabrikneuen und umgebauten Dampflokomotiven angebracht.

Eine deutliche Leistungsverbesserung ergab sich bei der Umstellung der Kesselheizung von Kohle auf Öl. Nicht nur, daß der Heizer nicht mehr Tonnen von Steinkohle ins Feuerloch schaufeln mußte, hier war auch eine gleichmäßigere Befeuerung der Heizfläche möglich und der Ascheanteil sank gewaltig.



Nachfolgend einige "Fachbegriffe" in dem Text, welche vielleicht der Erklärung bedürfen:

Telexkupplung: dies ist Vorrichtung an der Lokomotive die anhängenden Wagen an jeder beliebiger Stelle der Anlage abzukoppeln. Durch Drücken einer bestimmten Funktionstaste erhält die Lok den Schaltbefehl, den Kupplungsbügel zu heben und damit die Wagen abzuhängen.
Vorspann: wenn 2 Dampflokomotiven hintereinander gekoppelt den Zug ziehen, wird dies als Vorspann bezeichnet.
Rauchgenerator: in einige Dampflokomotiven kann - abhängig von der Art und Form des Lokkessels - im Schornstein eine Zusatzeinrichtung eingesteckt werden. In diese werden 2 - 3 Tropfen Rauchöl eingegeben; der Einsatz wird elektrisch geheizt und erzeugt dann eine weiße Rauchfahne. Bei digitaler Steuerung ist diese Funktion vom Steuergerät an- und abschaltbar, bei klassischem Betrieb ist der Rauchgenerator i.d.R. bei Vorwärtsfahrt ein- und bei Rückwärtsfahrt ausgeschaltet.
Mallet-Steuerung: dies ist eine Gelenksteuerung an einer Lokomotive mit einem fest im Rahmen angeordneten Triebwerk (hinten) und einem kurvenbeweglichen Triebwerk in einem Drehgestell (vorn), wobei beide durch Verbundwirkung angetrieben werden. Durch diese Konstruktion sind diese Loks sehr gut kurvengängig. Für weitere Details siehe hier
Kondensattender: dieser Tender hat eine Kondensateinrichtung, wo der Abdampf der Lok wieder zu Wasser kondensiert und in den Kreislauf zurückgeführt wird. Diese Tenderart findet Anwendung bei Fahrten in wasserarme Gegenden, wo die Befüllung der Lok mit Wasser nicht sicherzustellen ist.
ABV: Dies ist die Abkürzung für Anfahr-Brems-Verzögerung und bedeutet, daß die digitale Motorsteuerung abgeschaltet wird und sich die Lok im Fahrverhalten wie eine analoge Lok verhält

Class 38

C 38
Baureihe 38 Achsfolge 2'C 1' Betreiber NSWGR
Epoche Farbe grün
Hersteller Lima Artikel-Nr. 208483 Betriebs-Nr. 3801
Motortyp DC Umschalter LoPi V3.0

An der Lokomotive sind folgende Digitalfunktionen neben F0 = Stirnlicht schaltbar:
F1 ohne Fkt. F2 ohne Fkt. F3 Rangiergang F4 Direktsteuerung

Das Modell der Class 38 der New South Wales Government Railways (NSWGR) - die Bezeichnung entspricht einer deutschen BR 38 - mit der Achsfolge 2'C 1' und der Seriennummer 3801 hat bei mir über mehr als 1 Jahrzehnt ein Schattendarsein gefristet. Als Geschenk meiner Kinder aus Australien war dieses Modell der Lima Gold Collection auf meinem AC-System nicht lauffähig - sie ist ein Gleichstromer. Nach dem Umbau von 2 Märklin-Loks mit dem ESU LokPilot V3.0 war mir der Weg zum Umbau klar: sie brauchte nur den LoPi (den DC-Motor hat sie bereits im Kessel) und einen Schleifer unter dem Getriebkasten; das sollte machbar sein. Mit Hilfe eines erfahrenen MoBa-Kollegen wurde die Maschine umgebaut und ist jetzt in meinem Fuhrpark fahrbereit.
Das Original der 3801 steht nach Einbau eines neuen Kessels aus Deutschland fahrbereit im Museum der NSWGR.


Baureihe 78

BR 78
Baureihe 78 Achsfolge 2'C 2' Betreiber DB
Epoche III Farbe schwarz
Hersteller Märklin Artikel-Nr. 37078 Betriebs-Nr. 78 128
Motortyp HLA Umschalter mfx

An der Lokomotive sind folgende Digitalfunktionen neben F0 = Stirnlicht schaltbar:
F1 Rangierlicht F2 (G) Dampflok F3 (G) Pfeife lang F4 ABV
F5 (G) Quietschen F6 (G) Glocke F7 (G) Pfeife kurz F8 (G) Schüttelrost
F9 (G) Kohleschauf. F10 (G) Luftpumpe F11 (G) Dampfablass F12 ohne Fkt.

Das digitale Modell hat einen mfx-Sounddecoder mit 9 verschiedenen Soundfunktionen.
Das Original war die letzte für die Preußische Staatseisenbahn entwickelte Personenzug-Tenderlokomotive mit der Bezeichnung T 18. Sie wurde auch an die Württembergische Staatsbahn und 2 Exemplare auch an die Eutin-Lübecker-Eisenbahn geliefert. Sie hatte einen Rucksacktender, lud sich also ihren Kohlenvorrat in den kleinen "Rucksack". Nach dem 2. Weltkrieg übernahm die Bundesbahn und die DR die Restbestände. Weitere Information zu dieser Baureihe finden sich hier.


Baureihe 85

BR 85
Baureihe 85 Achsfolge 1'E 1' Betreiber DB
Epoche III Farbe schwarz
Hersteller Märklin Artikel-Nr. 37098-1 Betriebs-Nr. 85 001
Motortyp HLA Umschalter mfx

An der Lokomotive sind folgende Digitalfunktionen neben F0 = Stirnlicht schaltbar:
F1 Rauchsatz F2 (G) Dampflok F3 (G) Pfeife lang F4 ABV
F5 (G) Quietschen F6 (G) Luftpumpe F7 (G) Pfeife kurz F8 (G) Dampf ablassen
F9 (G) Kohleschauf. F10 (G) Schüttelrost

Das digitale Modell hat einen mfx-Sounddecoder mit 9 verschiedenen Soundfunktionen. Fahrgestell und Aufbau weitgehend aus Metall, Rauchsatz 7226 ist nachgerüstet. Fahrtrichtungsabhängig wechselndes Dreilicht-Spitzensignal und Rauchsatzkontakt konventionell in Betrieb, digital schaltbar. Länge über Puffer 18,6 cm. Goldfarbene Beschriftung. Einmalige Sonderserie 2012.
Vorbild: schwere Tenderlokomotive der Deutschen Bundesbahn: Baureihe 85 001 mit ausgeschriebenem Eigentumsmerkmal "Deutsche Bundesbahn" in Gold. Witte-Windleitbleche. Zustand der Lokomotive in den 1950er Jahren. Weitere Information zu dieser Baureihe finden sich hier.


Baureihe 96

BR 96
Baureihe 96 Achsfolge D'D Betreiber DRG
Epoche I Farbe schwarz
Hersteller Märklin Artikel-Nr. 37966 Betriebs-Nr. 96 006
Motortyp DCM Umschalter mfx + sound

An der Lokomotive sind folgende Digitalfunktionen neben F0 = Stirnlicht schaltbar:
F1 ohne Fkt. F2 (G) Dampflok F3 (G) Pfeife lang F4 ABV
F5 (G) Quietschen F6 (G) Kohleschauf. F7 (G) Pfeife kurz F8 (G) Luftpumpe
F9 (G) Injektor F10 (G) Dampfablass F11 (G) Schüttelrost F12 ohne Fkt.

Das Modell hat einen mfx-Decoder und einen Soundgenerator, welcher die Fahr- und Pfeifgeräusche der Maschine nachmacht.
Das Original wurde 1913 in Dienst gestellt und versah ihre Pflichten im Bereich des Königreichs Bayern und hier insbesondere auf den Steilrampen. Wegen der engen Kurven im Gebirge wurde diese Lok mit 2 Mallet-Laufwerken ausgestattet, sie war lange Zeit die stärkste Lokomotive ihrer Art in Europa. Weitere Information zu dieser Baureihe findet sich hier.


Alle Fotos (C) Manfred Pohl


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